Adalbert

Adalbert
 
[zu Adel und althochdeutsch beraht »glänzend«], Herrscher und Kirchenfürsten:
 
 Hamburg-Bremen:  
 1) Adalbert, Erzbischof von Hamburg-Bremen, * um 1000 (?), ✝ Goslar 16. 3. 1072; aus dem thüringischen Geschlecht der Grafen von Goseck, wurde 1043 zum Erzbischof gewählt, begleitete 1046 Heinrich III. nach Italien und nahm an der Synode von Sutri teil. Mit dem Titel eines päpstlichen Legaten und (1053) eines Vikars für den Norden war er für die Christianisierung dieser Länder tätig; seine Missionare gelangten bis Island und Grönland. Um 1060 gründete er die Bistümer Ratzeburg und Mecklenburg. Seit 1062 häufig am Hof Heinrichs IV., konnte er seinen Rivalen Erzbischof Anno von Köln verdrängen, war 1063-66 Vormund des jungen Königs und nutzte diese Stellung zum Vorteil seines Erzbistums. 1066 wurde er von einer Fürstenopposition gestürzt. Die Pläne für ein nordisches Patriarchat von Hamburg-Bremen wurden nicht verwirklicht.
 
 
G. Dehio: Gesch. des Erzbistums Hamburg-Bremen (1877, Neudr. 1975);
 G. Glaeske: Die Erzbischöfe von Hamburg-Bremen als Reichsfürsten, 937-1258 (1962);
 W. Seegrün: Das Papsttum u. Skandinavien (1967);
 
Regesta pontificum Romanorum. Germania pontifica, hg. v. W. Seegrün u. T. Schieffer, 6 (1981).
 
 Magdeburg:  
 2) Adalbert, erster Erzbischof von Magdeburg (968-981), ✝ Zscherben (bei Halle/Saale) 20. 6. 981; trat 958 in das Kloster Sankt Maximin in Trier ein und war 961/962 als Missionsbischof in Russland tätig. Als Abt (seit 966) des Klosters Weißenburg (Elsass) setzte er die Chronik Reginos von Prüm von 907 bis 967bis 967 fort. 968 wurde er von Otto I. zum Erzbischof von Magdeburg ernannt. - Heiliger (Tag: 20. 6.).
 
 
D. Claude: Gesch. des Erzbistums Magdeburg bis in das 12. Jh., 1 (1972);
 R. Holtzmann: Gesch. der sächs. Kaiserzeit (61979).
 
 Mainz:  
 3) Adalbert I., Erzbischof von Mainz (seit 1109/11), ✝ 23. 6. 1137; aus dem Geschlecht der Grafen von Saarbrücken, wurde 1106 erster Kanzler Heinrichs V., leitete auf dem Romzug 1110/11 die Verhandlungen mit Papst Paschalis II. Kurz nach seiner Belehnung mit dem Erzbistum (1111) kam es zum Bruch mit Heinrich V., der ihn bis 1115 auf dem Trifels gefangen hielt. 1125 bewirkte er die Wahl Lothars von Supplinburg zum König. Durch Erwerb zahlreicher Besitzungen schuf er die Grundlagen des Mainzer Territoriums und gab der Stadt Mainz ihr erstes Freiheitsprivileg.
 
 
K. H. Schmitt: Erzbischof A. I. (1920);
 M. Stimming: Mainzer Urkundenbuch, 1 (1932);
 F. Hausmann: Reichskanzlei u. Hofkapelle unter Heinrich V. u. Konrad III. (1956);
 L. Falck: Mainz im frühen u. hohen MA. (1972).
 
 4) Adalbert der Siegreiche, Markgraf von Österreich, ✝ Melk 26. 5. 1055; folgte 1018 als 4. Sohn des Babenbergers Luitpold I. seinem Bruder Heinrich in der Regierung. Er unterstützte König Heinrich III. in den Auseinandersetzungen mit Ungarn, Böhmen und Polen um die Ostgrenze des (Heiligen Römischen) Reiches. Neu errichtete Marken in diesen Gebieten fielen u. a. an die Babenberger, sodass die Ostmark während der Regierungszeit von Adalbert und seinem Sohn Ernst ihre Grenze an Thaya, Leitha und March erreichte. Eine nachhaltige und planvolle Siedlungspolitik, von Adalbert begonnen, sicherte den Erwerb und schuf eine wichtige Grundlage für das spätere Herzogtum Österreich.
 
 Preußen:  
 5) Adalbert, Prinz von Preußen, * Berlin 29. 10. 1811, ✝ Karlsbad 6. 6. 1873, Neffe Friedrich Wilhelms III.; trug 1848 zur Schaffung der ersten deutschen Kriegsflotte bei, war 1849-70 Oberbefehlshaber der preußischen Marine (Admiral seit 1854), veranlasste die Gründung von Wilhelmshaven.
 

Universal-Lexikon. 2012.

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